Die GAL trauert um ihre ehemalige Präsidentin Prof. Dr. Susanne Göpferich-Görnert, die am Montag, den 30.10.2017, plötzlich und unerwartet verstorben ist. Susanne Göpferich-Görnert war über lange Jahre Sektionsleitung und aktives Mitglied im Beirat der GAL sowie von 2013-2016 Präsidentin der Gesellschaft. In dieser Zeit hat sie die Präsidentschaft mit größtem Engagement und Erfolg ausgefüllt. Wir trauern um eine hochgeschätzte Kollegin und Freundin, der wir viel zu verdanken haben.

Die GAL wird Susanne Göpferich-Görnert immer ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Nachruf auf Susanne Göpferich-Görnert

von Dagmar Knorr

 

Die Nachricht vom Tod von Susanne Göpferich-Görnert macht sprachlos. Die Sprache stockt, wenn das Gehirn sich gegen einen Gedanken wehrt. Fragen werden lebendig und das „Warum?“ schwebt durch den Raum. Doch diese Fragen werden wir nicht klären können, denn die einzige, die die Antwort kennt, können wir nicht mehr fragen. Wir können nur ihre Entscheidung hinnehmen.

Susanne und ich sind im selben Jahr geboren, wir sind im selben Jahr in die GAL eingetreten und trafen uns daher immer wieder auf den Tagungen der GAL. Unsere Karrierewege sind völlig unterschiedlich verlaufen, doch das Interesse am akademischen Schreiben und die Arbeit im Rahmen des Qualitätspakts Lehre ließen uns enger zusammenrücken. Wir arbeiteten gemeinsam an verschiedenen Projekten, schmiedeten Pläne. Diese Pläne sind nun hinfällig, und was bleibt sind Gedanken an eine Frau, die als junge Doktorandin in die GAL eintrat und dort ihre „wissenschaftliche Heimat“ fand.

Als Diplom-Übersetzerin beschäftigte sich Susanne Göpferich-Görnert mit technischer Kommunikation, ein Bereich, der sich in den 1990er-Jahren in Deutschland gerade erst zu etablieren begann. Mit ihrer Dissertation und später mit ihrer Habilitation setzte sie Meilensteine für die Forschung. Doch sie forschte und lehrte nicht nur, sondern gestaltete ihr Arbeitsfeld aktiv. Dies tat sie zum einen im Rahmen ihrer Stellen, zum anderen auch und besonders in der GAL: Zehn Jahre leitete sie die Sektion „Fachkommunikation“ (2000–2010). Sie gab dieses Amt auf, um zunächst als Vizepräsidentin (2011–2012) und schließlich als Präsidentin (2013–2016) die Geschicke der GAL zu lenken. Während ihrer Präsidentschaft wurde die Tagungsstruktur der GAL überarbeitet und evaluiert, der Web-Auftritt professionalisiert und die Nachwuchsförderung forciert. Wer Gremienarbeit kennt, weiß, welche Vorarbeiten zu leisten sind, um selbst Kleinigkeiten verändern zu können. Dementsprechend bereitete Susanne Gremiensitzungen und Mitgliederversammlungen stets akribisch vor und überließ nichts dem Zufall. Susanne plante, war vorausschauend, genau und verlässlich.

Dies zeigte sich in ihrem Handeln: Wenn es darum ging, zu einem bestimmten Termin etwas einzureichen, war der Text von Susanne der erste, der da war – und das meist weit vor dem vereinbarten Abgabetermin. Sie arbeite ungern auf den letzten Drücker, habe lieber etwas Puffer, falls etwas Unvorhersehbares dazwischenkäme, begründete sie einmal ihr Vorgehen auf mein Erstaunen hin. Außerdem belaste sie sich nicht gerne mit Dingen, die sowieso erledigt werden müssten. Dann habe sie wieder Platz für die nächste Aufgabe. Susanne war konsequent im Handeln. Wenn sie sich für etwas entschieden hatte, zog sie es konsequent durch.

Gießen war die Heimatstadt von Susanne Göpferich-Görnert. Als sie 2010 zur Professorin für Angewandte Linguistik am Institut für Anglistik und Leiterin des Zentrums für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen wurde, war es für sie ein Nachhausekommen. Sie habe nicht gewusst, dass ihr in den Jahren zuvor etwas gefehlt habe. Jetzt wisse sie es. Sie sei angekommen.

Und dann ging von Susanne plötzlich ein inneres Leuchten aus. Sie hatte den Mann (wieder)gefunden, den sie bereits als Schülerin kannte und der ihr zeigte, dass es neben der Universität noch etwas Anderes gab. Sie ließ uns GAL-lier an ihrem Glück teilhaben: Erst war ihr runder Geburtstag, den sie groß gefeiert hat. Dann kamen die Hochzeitspläne und stolz präsentierte sie auf der letzten GAL-Sektionentagung im September, also vor knapp zwei Monaten, ihren Ehering. Ich habe mich sehr für sie und mit ihr gefreut. Susanne war glücklich.

Und damit komme ich zu einer zentralen Eigenschaft von Susanne: Sie wollte nicht nur ihr Glück teilen, sondern verband ihre Zielstrebigkeit und ihre Fähigkeit zu teilen in ihrem kollegialen Handeln und der Förderung und Wertschätzung von anderen. Es gibt viele kleinen Gegebenheiten, in denen ihre Fürsorge um Mitarbeitende, Kolleginnen und Kollegen und die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftlern deutlich wurde. Wer sie einmal in ihrem Institut besucht hat, weiß um die Atmosphäre, die sie dort geschaffen hat. Und Teilnehmerinnen und Teilnehmer der GAL-Research School 2017 haben erlebt, wie Susanne sich in Projekte eindenken und Anstöße zum Weiterdenken geben konnte.

Susanne Göpferich-Görnert zeigte sich in ihrem beruflichen Umfeld als Persönlichkeit, die wusste, was sie wollte, und der Kontroversen, die an universitären Institutionen nicht ausbleiben, nichts anhaben konnten. Sie seien Teil des Spiels. Und Susanne hat es jahrelang erfolgreich gespielt.

Doch daneben gab es wohl eine Seite, die uns, den fachlichen Kolleginnen und Kollegen, verborgen geblieben ist. Und so möchte ich mit einem Plädoyer schließen und den Blick nach vorne richten, da wir die Vergangenheit nicht ändern können. Wir alle, die wir Wissenschaft betreiben, sind Akteure. Wir können dafür arbeiten, der Wissenschaft ein menschliches Gesicht zu geben, in der nicht nur eingenommene Drittmittel und die Anzahl an Publikationen zählen. Wir können dafür arbeiten, unsere Institutionen zu gestalten und Räume für die gegenseitige Wahrnehmung über Fachinhalte hinaus zu schaffen. Wenn es gelänge, eine Kultur der Wertschätzung und Kollaboration auf- und auszubauen, wäre das etwas, was Susanne gefallen hätte, denn es wäre eine aktive und positive Gestaltung unseres Arbeitsfeldes.