Medienkommunikation

Die Sektion „Medienkommunikation“ nimmt den gesamten Kosmos des medienvermittelten Sprachgebrauchs in den Fokus. Einen Schwer­punkt bildet dabei die Frage nach der Charakteristik, Entstehung, Leistung und Veränderung von Medienkommunikation. Das Interesse richtet sich auf die Untersuchung und Beschreibung von Prozessen, Strategien und Formen der medialen Kommunikation aus der Sicht ihrer Geschichte, ihres gegenwärtigen Gebrauchs wie auch zukunftsorientierter Entwicklungen. Das Spektrum der diskutierten Medien reicht von den „klassischen“ Medien der Individual- und Massenkommunikation bis hin zu den heute gängigen, „neueren“ Formen der online-Kommunikation.

Die rasante Entwicklung und Ausdifferenzierung der medial vermittelten Interaktionsmöglichkeiten wie auch die kommunikativen Verfahren ihrer Produktion und Rezeption werden mit wechselnden Schwerpunktsetzungen thematisiert. Im Zentrum stehen linguistisch relevante Aspekte der Medienkommunikation in ihrer gesamten aktuell beobachtbaren Bandbreite. Die Diskussion ist interdisziplinär ausgerichtet und setzt sich zum Ziel verschiedene theoretische Referenzpunkte und methodische Herangehensweisen zueinander in Beziehung zu setzen.

Die Sektion fördert den Austausch zwischen Forschung und Praxis, etwa aus der Sicht der Erprobung, Nutzung und Optimierung von Medien sowie der Aus- und Weiterbildung.

2011 - Mehrsprachigkeit in Medien

Globalisierung und Medienkonvergenz verstärken die Nachrichtenflüsse zwischen Regionen, Sprachräumen und Medientypen. Immer mehr Rohmaterial aus aller Welt erreicht die Schaltstellen in Mediensystemen, und immer häufiger finden sich darin Äußerungen in Sprachen, die den Redakteuren selbst nicht vertraut sind. Auf der anderen Seite differenzieren sich Medien weiter aus, auch regional und lokal, und nutzen Dialekt als Markenzeichen, was Übersetzung standardsprachlicher Quellen bedingt. Wie gehen die Journalistinnen und Journalisten, die Redaktionen, die Medienhäuser und -systeme und alle weiteren eingebundenen Akteure mit dieser Entwicklung um? Mehrsprachigkeit spielt aber auch bei der Repräsentation von Dialekten oder Regiolekten in (journalistischen wie auch fiktionalen) Medientexten eine wichtige Rolle. Einerseits führt die Diversifikation der Zielpublika als Folge von Veränderungen im Mediensystem zu einer verstärkten Inszenierung lokaler Identität und Kultur, die (auch) sprachlich hervorgebracht wird. Andererseits können lokale Sprechweisen dazu funktionalisiert werden, niedrigen Status zu indizieren. Im Kern geht es hier um die Frage, welchen Varietäten in welchen Kontexten und welchen Textsorten wie Bedeutung zugeschrieben wird. An der Sektionstagung diskutieren wir Anforderungen, Kompetenzen und Praktiken von Medienschaffenden und -nutzenden in diesem zunehmend mehrsprachigen Umfeld und wir setzen uns mit der Mehrsprachigkeit von Medientexten selbst auseinander.

2010 - Die Konstitution von Raum in Medientexten

Die Sektion „Medienkommunikation“ setzt sich mit dem Verhältnis von Medientexten und ihrer räumlichen Verortung und Gebundenheit auseinander. Dabei können folgende Aspekte im Zentrum stehen: Mit welchen semiotischen Mitteln wird in Medientexten Räumlichkeit hergestellt; welche Rolle spielt „Lokalisierung“ hier (z. B. in virtuellen Räumen wie in Chat-„Räumen“ oder Diskussionsforen, aber auch in virtuellen Klassenzimmern oder „multiplayer online games“)? Wie wird linguistische Lokalität und Regionalität – auch als Reaktion auf Globalisierungstendenzen – in Medientexten hergestellt, etwa durch den Gebrauch von Dialekt und/oder Umgangssprache? Wie wird auf eine vorhandene Räumlichkeit referiert, wie wird eine vorhandene Räumlichkeit kontextualisiert (z. B. bei Studiogesprächen, Reportagen vor Ort etc.). Welche Konzepte von Raum sind von besonderer Bedeutung (geografische, nationale, soziale, kulturelle Räume etc.)? Welche Rolle spielen Stilisierungs-Effekte, und inwiefern und wozu werden diese in unterschiedlichen Kontexten instrumentalisiert – bzw. welche Verbindungen zwischen Sprache und Raum werden durch die mediatisierte Darstellung konstituiert? Welche Rolle spielt die „Lokalisierung“ oder „Regionalisierung“ in kommunikativen Handlungsfeldern wie Werbung, Public Relations, Journalismus und ihren zentralen Textsorten?

2009 - Schreiben und Sprechen zum Hören: Produktion und Rezeption gesprochener Texte im Hörfunk

Der rasante Wandel in den Sendeformen der Medien führt auch dazu, dass das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den Funkmedien verstärkt diskutiert wird. Dabei setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Produktion und Rezeption von gesprochenen Texten im Rundfunk sowohl von redaktionellen und sprachlichen als auch von sprecherischen Faktoren bestimmt wird, und dass demzufolge Hörmuster und Verstehensregeln bei der Verfassung von Radiosprache zu berücksichtigen sind. Rundfunkanstalten entwickeln hörverständliche Schreib- und Sprechstandards für mündlichkeitsorientierte Texte und wollen hierbei auch mit Theoretikern zusammenarbeiten. Bislang gibt es zwar zahlreiche Erfahrungswerte, aber kaum valide empirische Nachweise. Zumindest gibt es sie nicht, wenn die Sprechform in ihren Auswirkungen auf Hörverständlichkeit mitbetrachtet werden soll. Gegenstand der Sektionstagung ist deshalb die Interdependenz von redaktionellen, sprachlichen und sprecherischen Faktoren bei der Produktion und Rezeption von Hörfunksendungen – sowohl aus theoretischer als auch methodischer und  didaktischer Perspektive. Um den interdisziplinären Charakter dieses Gegenstands zu betonen, richten die Sektionen Phonetik und Sprechwissenschaft und Medienkommunikation diesen Sektionstag gemeinsam aus.

2007 - Muster und Variation in Medientexten

Häufig wiederkehrende kommunikative Aufgaben werden mit Rückgriff auf konventionalisierte sprachliche Verfahren gelöst, die sich in vorgeformten Strukturen auf verschiedenen Ebenen in Texten niederschlagen – seien diese mündlich, schriftlich oder multimedial realisiert. Dabei kann unter Vorgeformtheit die Orientierung an (inhaltlichen oder formalen) Vorbildern verstanden werden, die in einer Sprachgemeinschaft zirkulieren. Solche Vorgeformtheit spielt in unterschiedlichen Konzepten eine Rolle, die mit Begriffen wie Schema, Gattung, Textsorte, aber auch einschlägiger als news narrative oder storytelling bezeichnet werden. Den vorgeformten Mustern entgegengesetzt, aber gleichzeitig mit ihnen verbunden ist die kreative Variation der Muster: In der Massenkommunikation müssen etwa Beiträge zugeich vertraut und neu, eigenständig wirken, wenn sie sich vom übrigen Angebot am Markt abheben sollen. In der Individualkommunikation kann es darum gehen, in den eigenen Beiträgen – im Chat, in einer E-Mail oder im „Massen-Individualmedium“ Blog – durch kreativen Umgang mit den Mustern sein Können unter Beweis zu stellen und sich so zu profilieren. Im Rahmen der Sektion wollen wir diesen Fragestellungen der Musterbildung und Variation nachgehen.

2006 - Stil und Medien

Die Sektionen „Textlinguistik und Stilistik“ und „Medienkommunikation“ veranstalten dieses Jahr ein gemeinsames Pogramm, das den Dialog zwischen linguistischer Stil- und Medienanalyse in den Vordergrund stellt. Ziel der Sektionskooperation ist es, das Zusammenspiel von Stil- und Medienanalyse auf seinen theoretischen und empirischen Stand hin zu prüfen und Entwicklungstendenzen nachzuspüren. Das weit abgesteckte Spielfeld umfasst alle aktuellen Ansätze der linguistischen Stilistik (soziolinguistisch, pragmatisch, textsorten- und interaktionsanalytisch) und alle Teilgebiete öffentlicher Medienkommunikation. Auf dieser Basis begrüßen wir Beiträge, die das Verhältnis zwischen Sprech-, Schreib- und Gesprächsstil einerseits, Medienumwelten und medialen Handlungszusammenhängen andererseits beleuchten.

2005 - Stiefkind Radioforschung? Neue Impulse

Der Hörfunk hat in Deutschland eine stolze Tradition, er war einst sogar ein modernes Leitmedium. Die zunehmende Konkurrenz von Fernsehen, Tonträgern und Internet haben das Radio aber immer mehr ins Abseits gedrängt. Die Rede ist vom reinen „Begleitmedium“ oder gar vom „Dudelfunk“ heutiger Tage. Dementsprechend zurückhaltend hat sich die Medienforschung in den letzten Jahren mit dem Hörfunk befasst.
Einiges spricht dafür, die Radioforschung neu zu beleben. Ausgangspunkt könnte folgende Fragestellungen sein: Welche Stellung hat das Radio heute im Medienmix und bei den unterschiedlichen Generationen? Wie war das früher? Welche neuen Formate gibt es? Welche spezifischen Vorzüge und Möglichkeiten bietet das Medium (etwa als „Bürgerradio“)? Wie entstehen Radiotexte? Was wissen wir über Radionutzung und –aneignung, auch in internationaler und interkultureller Perspektive?

2004 - Aktuelle Entwicklungen in der Medienkommunikationsforschung

Nachdem die Sektion Medienkommunikation in den letzten Jahren stets unter einem konkreten Rahmenthema stattfand, möchten wir in diesem Jahr wieder der ganzen Breite der Medienkommunikationsforschung bezüglich aller Individual- und Massenmedien ein Forum bieten. Welche aktuellen Entwicklungen gibt es in der Kommunikation mit und in Medien? Welche Forschungsprojekte gehen inhaltlich oder methodisch neue Wege? Wo werden zum Beispiel heutige Tendenzen mit historischen Perspektiven verbunden?