Verleihung des GAL-Förderpreises 2026

Alle zwei Jahre wird auf der Jahrestagung der GAL-Förderpreis verliehen. Das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro wurde auch im Jahr 2026 dankenswerterweise von den Verlagen De Gruyter Brill, Peter Lang und Narr/Francke/Attempto gestiftet.

Den GAL-Förderpreis erhielt im Jahr 2026 Sam Schirm, Ph.D. (Universität Bielefeld) für das Projekt “Gespräche in deutschen Apotheken: Eine konversationsanalytische Studie der interaktionellen Anforderungen an Apotheker*innen in Kund*innengesprächen”.

Die Präsidentin und Verantwortliche für das Ressort Nachwuchsförderung, Prof. Dr. Karin Birkner, und Vizepräsident Prof. Dr. Matthias Schulz überreichten die Urkunde im Beisein der Verlage während der Eröffnungsveranstaltung der Sektionentagung an der Universität Lüneburg am 16. September 2026.

GAL-Förderpreisträger Dr. Sam Schirm (Mitte) mit der GAL-Präsidentin Prof. Dr. Karin Birkner (links) und dem GAL-Vizepräsidenten Prof. Dr. Matthias Schulz (Fotocredit: GAL)

Sam Schirm ist seit Oktober 2021 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Mehrsprachigkeit in medizinischen Berufsfeldern an der Universität Bielefeld.

Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der konversationsanalytischen Erforschung von Kund*innen-Gesprächen in deutschen Apotheken sowie des Erwerbs von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in der gesprochenen Interaktion. Zudem forscht er auch zu Partikeln und Diskursmarkern in deutschen Alltagsgesprächen. Nach seinem Bachelor- und Masterstudium an den Universitäten Waterloo (Kanada) und Mannheim promovierte er an der Universität Waterloo mit einer konversationsanalytischen Studie über Verwendung und Erwerb von Diskursmarkern in Alltagsgesprächen von L2-Deutsch-Lernenden in Deutschland.

 

 

Kurzbeschreibung des Projektes „Gespräche in deutschen Apotheken“

Öffentliche Apotheken sind von zentraler Bedeutung im deutschen Gesundheitssystem. Nicht nur obliegt „Apotheken […] die im öffentlichen Interesse gebotene Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln“ (ApoG §1 Abs. 1, Satz 1), sondern auch stellen öffentliche Apotheken einen zugänglichen bzw. den zugänglichsten Bestandteil des Gesundheitssystems dar. Allerdings senkt die Zahl an öffentlichen in Apotheken in Deutschland kontinuierlich seit 2010, und damit verschlechtert sich die Apothekendichte und verlängern sich für viele die Wege in die nächste Apotheke (vgl. ABDA, 2025). Apotheken und deren pharmazeutische und Beratungsangebote werden also immer schwieriger zu erreichen.

Zentral zu diesem Problem ist die sinkende Zahl von Apothekenleiter*innen in Deutschland (vgl. ABDA, 2025). Eine Lösungsbeitrag hierzu ist die Zuwanderung Pharmazeut*innen aus anderen Ländern, welche in den letzten Jahren steigt (vgl. ABDA, 2025). Für die Approbation müssen zugewanderte Apotheker*innen, neben der Anerkennung des Studienabschlusses, auch allgemeine und apothekerberufsbezogene Sprachkenntnisse nachweisen (vgl. z.B. Apothekerkammer Nordrhein, 2022). Die sprachlichen und interaktionellen Aufgaben des Apotheker*innenberufsalltags in Deutschland wurden allerdings bisher kaum empirisch erforscht (vgl. aber Moritz et al., 2021; Seiberth et al., 2022). Es bleibt nicht gewusst, welche Sprachkenntnisse für den Apothekenalltag tatsächlich nötig sind, und dazu wie Apotheker*innen auf deren zukünftigen in Deutschland vorbereitet werden sollen.

Herrn Schirms Projekt Gespräche in deutschen Apotheken verfolgt das Ziel, empirisch-basierte Lehrmaterialien für die Ermittlung der Berufssprache für Apotheker*innen zu erstellen. Fokus des Projektes sind die Beratungsgespräche, welche Apotheker*innen mehrmals täglich mit ihren Kund*innen führen. Mit den Theorien und Methoden der Konversationsanalyse (vgl. Birkner, 2020; Sacks et al., 1974) wird ein Korpus von Videoaufzeichnungen und Transkripten authentischen Kund*innengesprächen in deutschen Apotheken analysiert, um die vielfältigen Anforderungen an Apotheker*innen in dieser Gesprächssituation zu beschreiben (vgl. Schirm & Borowski, 2026). Diese konversationsanalytischen Ergebnisse fließen dann in Lehrmaterialien, welche nach den Prinzipien der Szenario-Didaktik in Szenarien, d.h. in „Kette[n] von fiktiven, handlungsbezogenen Aufgaben“, verwandelt, welche wiederum in dem Berufssprachunterricht mit Kursteilnehmenden erarbeitet werden (Sass & Eilert-Ebke, 2015, S. 6). Langfristig sollen diese Materialien in Pharmaziestudiengängen in nichtdeutschsprachigen Ländern integriert werden, um Pharmazeut*innen einen Anreiz zu geben, deren Beruf nach Abschluss in Deutschland in öffentlichen Apotheken auszuüben, und um sie auf diesen Berufsalltag sprachlich vorzubereiten; damit werden die Projektergebnisse einen Beitrag gegen die Apothekenschließung in Deutschland leisten.