Textlinguistik und Stilistik

Textlinguistik und Stilistik sind heute mehr als nur bestimmte sprachwissenschaftliche Teildisziplinen. Wann immer nach dem Sprachgebrauch, seiner Bedeutung für menschliches Handeln und soziales Miteinander gefragt wird, geht es um Texte; wo immer spezifische sprachliche Handlungsweisen und Variationen des Sprachverhaltens ins Blickfeld kommen, wo soziale oder individuelle Identität mithilfe sprachlicher Mittel ausgedrückt werden soll, wird Stil zum Gegenstand der Betrachtung. Texten kommt in allen Gesellschaften und Gruppen eine Schlüsselfunktion zu, sie sind ein zentraler Bestandteil dessen, was man ‚Kultur‘ bzw. ‚Ideologie‘ nennt. Soziale Ordnung und historischer Wandel in Politik und Wirtschaft, Recht und Religion, Wissenschaft und Technik, Literatur und Alltag beruhen wesentlich auf Texten. Je flexibler soziale Strukturen werden, umso mehr hängt von den Fähigkeiten der Kommunizierenden ab, stilistische Wahlen zu treffen und rhetorisch zu überzeugen. Je komplexer und globaler die Kommunikation, umso gefragter sind Textexperten als Wissens- und Kulturvermittler.

Ein umfassendes Verständnis des Phänomens ‚Text‘ schließt eine Vielzahl von Aspekten ein: sprachliche Strukturen und multimodale Zeichenkonstellationen in gesprochenen, gedruckten und elektronischen, monologischen und dialogischen Texten / Hypertexten / Gesprächen, innerpsychische Prozesse der Textproduktion, -rezeption und Wissensverarbeitung, Textsorten/ Textmuster / Gattungen und andere soziokulturelle Ordnungen als Basis und Produkt des kommunikativen Handelns, individuelle rhetorische Leistungen, Synchronie und Diachronie des Sprachgebrauchs. Auch wenn zurzeit sprachpragmatisch-textanalytische/ diskursanalytische / gesprächsanalytische Konzepte vorherrschen, ist die Sektion offen für alle Methoden, mit denen Text- und Stilprobleme angegangen werden, auch für eine Kooperation mit anderen GAL-Sektionen, in denen Fragen des Sprachgebrauchs erörtert werden. Neben den Erträgen empirischer Forschung und in Verbindung damit sollen auch Anstrengungen zur methodologischen Fundierung und terminologischen Präzisierung interdisziplinärer Textforschung zur Sprache kommen. Nur so wird die Textlinguistik dem Anspruch gerecht, ein linguistischer „Verkehrsknotenpunkt (geworden) zu sein“ (Antos/ Tietz 1997).